Batumi,
Beachlife,
Merian Magazine

Der Mensch ha ja den Drang, Orte, die er kaum kennt mit jenen abzugleichen, die Ohren zum Klingen bringen und Klischees zum Blühen bringen. Batumi? – Batumi, Riviera der Sowjetunion. Batumi, Monte Carlo am Schwarzen Meer. Batumi, Schweiz des Kaukasus. Und jetzt neu: Batumi, das Dubai Georgiens! Batumi, sagt Sophiko Mikeladze auf Englisch und mit ihrem geheimnisvollen Lächeln: „Batumi, Europe’s leading emerging tourism destination!“ Und das stimmt, in echt. Denn ihre Stadt hat, und darauf ist die Tourismus-Beauftragte genauso stolz wie ihre Kollegin Inga Sharadze, Stadtführerin und im Hauptberuf Englisch-Lehrerin, gerade den World Travel Award erhalten. Das sei, sagt Inga, während sie von der Seebrücke auf die Skyline ihrer Heimat blickt, Hände in den Bermudahosentaschen, Ohrringe wippend: der Oscar des Tourismus! Batumi ist mit seinen 160 000 Einwohnern die größte Stadt der autonomen Region Adscharien und die zweit-größte ganz Georgiens. Seit der Antike hatte es, auch aufgrund seiner Lage am Westufer des Schwarzen Meers, eine bewegte Geschichte – und dann entfachte ab 2003 der damalige georgische Präsident und Architektur-Fan Mikheil Sakaaschwili auch hier einen irrsinnigen Bauboom. Wenn der so weitergeht, kann er alles plattmachen, sterilisieren und totgentrifizieren, was Batumi jetzt noch zu einer so wuselig herzerwärmenden Kruschkiste von Stadt macht.Batumi, Inga und Sophie deuten darauf, mit dieser irren Skyline. Hinter den Schwarzmeer-Kieseln und der sieben Kilometer langen Strandpromenade mit ihren Beachbars, Weinkiosken, Restaurants, Sportanlagen, Fahrrad-, Jogging- und E-Scooter-Streifen: Türme, Hypermoderne Türme, alte Türme, sozialistische Türme, ruinöse Türme und ulkige Türme. Es gibt sie in Palastform, in O-Form, in Stempelform, in Zuckerbäckerstil und Sowjetmanier; schräg, gebogen, bunt und blinkend. (…)

Nataly Bleuel