First Day of Semester,
Coimbra,
Merian Magazine

Ein merkwürdiges Bild bietet sich im Park an der Praça da República: Ein junger Mann rennt im Kreis, schlägt sich mit der Hand auf den Hinterkopf und ruft »Ich bin ein Idiot! Ich bin ein Idiot!«. 

Unweit von ihm entfernt knien rund ein Dutzend junger Männer auf allen vieren, während ein breitschultriger Typ mit Pilotenbrille vor ihnen auf- und abschreitet und sie anschreit. Er trägt einen langen schwarzen Umhang, das Zeichen portugiesischer Studenten. Er und einige andere ältere Studenten geben den jungen Männern auf dem Boden Aufgaben: Lie- gestütze, Rotweinkisten stemmen und natürlich: trinken! Ab und zu springt einer der jungen Män- ner zur Seite, würgt und spuckt einen Schwall Rotwein auf den Parkboden. Was ist hier eigentlich los? »Praxe«, sagt Luisa, die mit einem Plastikbecher Bier ein paar Meter entfernt sitzt und das Geschehen beobachtet. Die »Prasch«, wie man es ausspricht, ist eine der äl- testen Studenten-Traditionen Portugals. Wer sich entscheidet mitzumachen, sagt die 21-Jährige, muss während des ersten Studienjahres alle paar Wochen antreten, um Prüfungen zu absolvieren, die sich die älteren Kommilitonen ausdenken. Wenn das geschafft ist, gilt man als Teil der aka- demischen Community, darf den schwarzen Um- hang tragen und hat – so der Plan – Freunde fürs Leben gefunden. Luisa und ihr Kumpel Daniel bestätigen das: Die meisten ihrer Freunde hätten sie durch die Praxe kennengelernt.

Teresa Pfützner

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